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Black-Label-SocietyEine halbe Ewigkeit haben die deutschen "Society Dwelling Mother Fucker" - kurz "SDMF" darauf gewartet die allmächtige BLACK LABEL SOCIETY live zu sehen. In den letzten Jahren gab es nämlich pro Jahr kaum mehr als ein bis zwei Konzerte auf deutschem Boden. Nach schier endlos erscheinender Wartezeit war es am Dienstag, dem 19. Juni 2012 dann endlich doch soweit, und Zakk Wylde machte auf seiner ausgedehnten "Peddlers Of Death Over Europe 2012" - Tour in der Garage Saarbrücken Station. Im Gepäck hatten die Berserker BY DEFINITION und die Australier TRACER.

BY DEFINITION eröffneten um 19:30 Uhr den Reigen. Die 2007 gegründeten Amerikaner haben sich Southern Metal auf die Fahnen geschrieben. Sie haben bisher die EP "Eyes On Wires" und eine Single veröffentlicht. Merchandise konnte ich trotzdem keins von ihnen finden. Fette Gitarrenriffs, die auch ganz gut ins Vorprogramm von DOWN gepasst hätten, werden mit groovigem Schlagzeugspiel gepaart. Einzig und allein Sänger Si konnte nicht so wirklich überzeugen. Sein raues Organ setzt er schon ganz gut ein, aber auf Dauer ist seine Gesangsleistung doch etwas zu eintönig bzw. die Songs an sich nicht zwingend genug. Außerdem wirkten sein mit hochgezogener Kapuze durgezogenes Stageacting und die eindeutig dem Hip Hop zuzuordnenden Handbewegungen ziemlich seltsam. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht mehr als ok. Die bereits angenehm gefüllte Halle ließ sich auch nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Die Besucher, die erst später hinzukamen hatten jedenfalls nichts weltbewegendes verpasst. (Kevin)

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TRACER boten dagegen schon weitaus mehr. Deutlich besser zum Headliner passend und auch spielerisch auf einer Wellenlänge bot das australische Trio Rock vom Allerfeinsten. Überwiegend in den Siebziger Jahren hängengeblieben bot das Erfolgsrezept Gitarre-Bass-Schlagzeug eine durchaus abwechslungsreiche und vor allem routinierte und mitreißende Show für Augen und Ohren. Der Sound war sauber und aufgeräumt und bot von rau bis melodiös der BLS-hungrigen Meute ein wohlschmeckendes Fundament. Gitarrist Michael Brown und Basser Leigh Brown wechselten sich gleichermaßen den Leadgesang und konnten neben der perfekten Bedienung ihrer Instrumente auch stimmlich eine breite Pallette bieten. Ja, die zwei heißen nicht nur gleich, sondern sehen sich auch recht ähnlich, was die Verbrüderung schon direkt vermuten lässt.

Die Soli von Michael waren nahezu sensationell, von gefühlvoll-bluesig über melodiös-südstaatenmäßig bis hin zu mörderisch flink konnte der Flitzefinger alles bieten, zumal er diese auch mal ohne Probleme mit der Gitarre hinter dem Kopf abfeuerte. Aber auch sein Bruder verstand es, seine Finger auf dem langhalsigen Viersaiter einzusetzen. Das Publikum dankte es frenetisch, zumindest mehr als bei dem Opener, und war nun heiß genug für den Godfather der Gitarre. (Jochen)

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Der überdimensionale Vorhang mit dem bekannten Totenschädel der BLACK LABEL SOCIETY liess noch keinen Blick auf die Bühne zu, als das Instrumental "New Religion" sowie eine an KISS erinnernde Ansage über "the almighty BLACK LABEL SOCIETY" die Show einleitete. Mit einem monströsen Indianer-Federschmuck legte Häuptling Zakky Wylde mit "Crazy Horse" und dem Klassiker "Funeral Bell" mächtig los. Obwohl sich der Kopfschmuck schon während des zweiten Songs verabschiedet hat, ging es schnurstracks und furios weiter mit fetten Walzen wie dem lautstark mitgesungenen "Bleed For Me", dem Nackenwirbel zermahlenden "Demise Of Sanity" oder dem Doppel "Overlord" sowie "Parade Of The Dead" vom aktuellen Werk "Order Of The Black". Leider war der Sound etwas zu laut und undifferenziert. Der Bass wummerte einen Tick zu stark, dafür hätten Zakk´s Leads minimal lauter sein können. Heraushören konnte man sie allerdings trotzdem.

Die Stimmung in der vom Ausverkauf wohl nicht mehr sehr weit entfernten Garage war ziemlich am kochen, was durch die subtropisch-schwülen klimatischen Bedingungen noch zusätzlich begünstigt wurde. Mit Ansagen geizte der Gitarrengott ziemlich, doch als Tribut an seinen 2004 verstorbenen Kumpel Dimebag Darrell (PANTERA, DAMAGEPLAN) kündigte er die berührende Ballade "In This River" an, für welche sich der Meister sogar an ein extra aufgebautes Keyboard setzte. Aber im Anschluss wurde mit der Dampframme "Fire It Up" vom "Mafia"-Album wieder ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht. Außerdem wurde das Publikum mit schwarzen BLS-Wasserbällen bombadiert. Das folgende zehnminütige Gitarrensolo hätte auch gut und gerne nur halb so lang sein dürfen. Technisch war das, was Wylde dort abriss over the top, aber leider war es nur viel Gefrickel. Dabei hat der Mann doch nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch das Feeling und den Ton, um auch gefühlvolleres, mitreissenderes zu spielen. Davon hatte ich mir irgendwie etwas mehr erwartet. Zwischen etlichen Gitarrenwechseln gab es immer wieder "Zakk"-Sprechchöre und der Oberwaldschrat machte auch keine langen Verschnaufspausen, sondern legte mit dem flotten "Godspeed Hellbound" nach. Im Anschluss hing er sich die doppelhälsige Gibson SG um und schlug mit "The Blessed Hellride" etwas sanftere Töne an. Doch die Ruhe sollte nicht lange währen, denn zum Abschluss wurden "Suicide Messiah", "Concrete Jungle" sowie "Stillborn" runtergezockt. Danach war trotz Zugaberufen dann nach guten 85 Minuten Schicht im Schacht. Jedoch muss man der Band zu gute halten, dass sie fast pausenlos durchgerockt hat. Somit wurde das "Saarbrücken-Chapter" der BLS glücklich und total verschwitzt in die Nacht entlassen. (Kevin)

Nachtrag: Aufgrund von inakzeptablen Vertragsbedingungen seitens BLACK LABEL SOCIETY werden hier leider keine Fotos der Band veröffentlicht. (Jochen)

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